Und was, wenn..

.. wenn.

Wenn. 

Wenn.

Wenn.

Wenn man das „Wenn“ nicht schreiben kann. Nichts mehr. 

Vielleicht morgen. 

Vielleicht morgen.

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Wie können wir dir helfen?

.. fragt mich der Friseur. Ich hatte gerade 2 Stunden Therapie hinter mir und 2 Stunden vor mir, die ich warten musste. Also ging ich sozusagen vor und nach der Therapie zum nächsten Friseursalon, an dem ich vorbeikam, erklärte, dass ich gerade von der Therapie komme, eine Krise habe und eine neue Frisur brauche, sah im Spiegel, dass ich leider tataächlich so aussah und mein Witz dadurch noch schlechter oder besser wurde, weiß ich nicht genau, er fragte mich, ob ich hier im Haus beim Therapeuten war, nein, eine Straße weiter sagte ich und dass es in der Stadt ja von Therapeuten wimmelt, er erzählte von seiner Paarberatung und irgendwann landeten wir beim Kontaktabbruch zu seinem Vater und meine Frisur war fertig und ich glücklich damit, aber nicht sehr glücklich, doch das Tolle ist: Inzwischen bin ich sehr glücklich und jedes Mal, wenn ich in den Spiegel sehe mag ich meine Haare mehr, das heißt es ist eine dieser seltenen Situationen, in denen das Glück nicht ab-, sondern zunimmt! Und vor allem: Großer Kritikpunkt sind immer meine Haare gewesen, denen es nach etwa 2 Jahren Blondierung nie wieder so richtig gut ging, seit Jahren fand ich sie langweilig und doof. Aber jetzt geht es meinen Haaren gut – und ich bin SEHR zufrieden.

Atmen..

.. in Form von Büchern.

Die letzte Therapiestunde letzte Woche hat mich so umgehauen. Irgendwann lag ich in der Praxis auf dem Boden, ich bin so weggebrochen. Fühle mich wie mein Arm: Offen und wund und ohne Haut. Seitdem kann ich nicht mehr essen, Schlaf ist wie immer wenig, also nichts Neues, und meinen Kopf füttere ich mit fremden Worten, halte mich an ihnen fest. 5 Bücher in 5 Tagen. Zwei hintereinanderweg ohne Pause durchgelesen in einer Nacht.

2017 war mein schlechtestes Lesejahr überhaupt. Es ging auch nicht mehr. Wie dankbar ich dafür bin, dass ich gerade versinken kann in anderen Geschichten. Es gibt keine Worte für mich selbst gerade, umso dankbarer bin ich für fremde.

Schuldfrei

Wenn man wieder nicht weiß, ob man das ohne Geschlossene schafft. Wenn man weiß, man wird da hingehen und sich schützen, egal wie sehr man möchte, dass dieser Kreislauf endlich ein Ende hat. Wenn man merkt wie man nachts weinend zu sich selbst sagt „Ich habe es wirklich versucht…“ – das mit dem Leben – und bemerkt: Das ist ein Abschiedssatz. Wenn man bemerkt, dass man nach mehreren Stunden endlich aus dem Zimmer geht, sich Hilfe sucht, es ausspricht und weiß, es ist also wie immer: Solange ich spreche, bleibe ich. Solange ich merke, dass ich mich verabschiede, bleibe ich. Solange mir das bewusst ist und ich noch 1 % von dem Funken in mir habe, der kämpfen möchte, egal was und wie.

Wenn man nicht weiß, ob es zu schlimm wird in der nächsten Stunde oder erst in einigen Stunden oder morgen oder gar nicht – weil die Kontrolle entzogen wird. Wenn man also weiß, es könnte jederzeit notwendig sein sich in die geschlossene Psychiatrie einweisen zu lassen und man Angst hat, so viel. Und wenn man weiß, man wird sich schützen. Man wird sprechen. Wenn man sich das verspricht, wenn man diese Entscheidung trifft. Dann ist das gut so und man tut was man kann. Man hat keine Schuld daran. Versucht man sich zu sagen,obwohl das Herz etwas anderes fühlt – als wäre es ein Versagen, eine Schuld, die man auf sich lädt. Als wäre man schuld an all dem was in einem selbst so ist, dass es als „krank“ eingestuft wird. Als wäre es keine Reaktion auf traumatische Ereignisse und auf Traumatherapie, sondern als wäre es Schuld.

Das ist es nicht.

„Man“ versagt nicht. Ich versage nicht. Es ist okay.

Bleiben

Ich bin noch da.
Mein Leben ist derzeit ein Dorfladen vor 20 Jahren im Chaos. Wenig und klein, aber viel Chaos.

Fast 2 Monate ohne Internet und Handy, nur unter Aufsicht und kurz am Tag, um einigen ausgewählten Menschen zu schreiben. Oft gar nicht, wenn es zu unsicher war. Rausgehen fast nur in Begleitung.

Mein Herz klopft unregelmäßig, das EKG sagt es ist alles in Ordnung.

Ich bin noch da. Sage es mir selbst. Hier ist alles auch noch da, das Internet, die Blogs, es finden sogar Menschen noch hierhin. Ein wenig beruhigend.

Ich sehne mich nach dem Reisen, nach der Flucht. Ich sehne mich nach sehr sehr langem Schlaf und nach Befreiung. Ich sehne mich nach Ruhe, nach einem Ende des Kampfes, nach einem anderen Ausweg als Suizid und ich suche und manchmal glaube ich, das hier ist ein guter Ort, um etwas zu finden und zu bleiben.

Veränderung

Ich bin noch da. Das Leben auch. Ich halte mich fest an meinem großen Ziel. Andere Welten kennenlernen. Meine Weltkarte hängt über dem Bett. Der deutsche verregnete Sommer ist genau das was ich derzeit brauche. Und das hier, mein derzeitiges Zuhause, das auch ein bisschen, soweit ich es zulassen kann.

Ich bin noch da. Selten sicherer gewesen, dass die Veränderung, die ich vollziehe, gut für mich ist. Immer weniger von dem was andere erwarten, immer mehr von dem wie ich _derzeit_ bin. Ich habe mich verändert, tue es weiterhin und ich sehe es nicht mehr als etwas Schlechtes an, im Gegenteil. Auch wenn es komisch ist, wenn man selbst sieht wie sich diese Veränderungen im Alltag und in Beziehungen zeigen. Als müsse man sich selbst an sich selbst gewöhnen. Und auch ein bisschen entscheiden, ob man so sein möchte. Denn ich glaube nicht, dass man zu 100% zu seinem wahren Selbst finden muss bzw. glaube ich, dass dieses Selbst flexibel ist, nicht starr, sondern ohne Label und Schubladen. Wenn ich mich selbst definieren möchte und mich in die Schublade „gesellig“ stecke, nur als Beispiel, dann ist das doch nur eine Momentaufnahme – das bin dann ich zu diesem Zeitpunkt, doch ich möchte im Kopf behalten, dass sich das auch verändern kann und/oder dass ich das verändern kann. Was für ein Mensch möchte ich sein? Diese Frage wird in Büchern teilweise toll mit einbezogen, u.A. in David Safiers „28 Tage lang“, wunderbares Buch, habe ich schonmal gesagt glaube ich. Geschrieben.

Selbstfindung ja. Ich finde es wichtig nah an mir dran zu sein und zu wissen wie ich ticke, meine Werte zu kennen, woran ich glaube, was mir wichtig ist; aber immer mit im Hinterkopf, dass das nicht für die Ewigkeit ist. Wie schade das auch wäre.

 

Ich bin noch da. Im Prozess der Veränderung.